Die Sache mit dem Essen.

Unser kleines Ritterlein ist ein großer, großer Beikostverweigerer (für die nicht-Mamis: alles außer Milch). Brei fand er immer schon doof. So richtig doof. So “Kopf wegdrehen und Lippen zusammenpressen”-doof. Nun hatte ich mich schon vor der Breisache ein wenig in “Baby Led Weaning” eingelesen (in das ich hier keine Einführung geben werde, wer mag, darf gerne googlen) und hielt ihn für einen Kandidaten dafür. Naja, was soll ich sagen – auch nicht wirklich seins. Das ganze Konzept des “Essen in den Mund schieben, kauen und schlucken” sagt ihm bisher nicht zu. Trinken ist einfach so viel effizienter. Während ich mir um ihn da eigentlich keine Sorgen mache (wächst, gedeiht, nimmt zu, entwickelt sich prima), hätte ICH ja so langsam nichts dagegen, nicht mehr als ausschließliche Nahrungsquelle zu dienen – zu jeder Tag- und Nachtzeit.

Aber so drehe ich Däumchen, biete ihm immer wieder Essen an, das er mit Herzenslust auseinandernimmt und dann 98% wieder ausspuckt. Trotz seiner 6(!) Zähne. Und höre mir neidisch an, wie viel Brei/Brot/Obst andere Babys in seinem Alter (auch gerne zahnlos) wegmümmeln und wie deren Milchkonsum sich deutlich reduziert hat. Ein bald 9 Monate altes Baby zu Hause ständig stillen ist die eine Sache, in der Öffentlichkeit wird -weil ja alles soooo spannend ist- nur kurz ‘gesnackt’, das dann aber gerne mal im 2-Stunden-Takt. Und im Restaurant nach kurzem Brotankauen nachdrücklich nach der Brust verlangt, weil man doch Hunger hat. Bevorzugt dann, wenn Mama gerade ihr warmes Essen auf dem Tisch stehen hat. Soooo praktisch. NOT!

Eine Generation von Rückenkranken?

Als ich noch in Deutschland war, dachte ich, was bei uns als “Baby-Allgemeinwissen” gilt, sei auch international gültig. Von Stillen über Beikost bis Kinderwagen. Aber… nö.

Klar, New York ist sicherlich nicht repräsentativ für die gesamte USA, aber den klassischen europäischen Kinderwagen mit Babywanne findet man nur sehr selten. Auf der Straße sind zu 90% Buggys oder Gestelle mit Autositz-Adapter unterwegs. Gerader Rücken? Ein Witz, selbst die kleinsten Würmchen werden dauerhaft in nur halbliegender Position gefahren. Die Krönung war bisher ein maximal 3 Monate altes Baby, das vorwärts sitzend in einem hoch gestellten Buggy fuhr. Mitten in der Stadt. Aua, Rücken. Hallo, Reizüberflutung. Letztere scheint aber eh ein Fremdwort für Amerikaner zu sein. Denn natürlich wird jedes Kind möglichst bald vorwärts gefahren, das muss doch was sehen! Und BabyBjörn ist hier ebenfalls die Trage der Wahl. Hüfte? Anhock-Spreizhaltung? Noch nie gehört. Und getragen wird dadrin natrülich vorwärts. Denn, nur so kann das Kind was sehen! Damit ihm bloß nicht langweilig wird ob des Anblicks von Mama und Papa.

Gut, dass ich ein ordentlich schlechtes Gewissen hatte, unser motorisch überdurchschnittlich entwickeltes kleines Ritterlein im September in den komplett flachgestellten Sportaufsatz zu legen und ohne Wanne umzuziehen. Und frage mich kopfschüttelnd, ob die New Yorker zu entspannt und “naiv” an die Frage des Babytransports herangehen oder ob die deutschen Mütter sich zu sehr den Kopf zerbrechen.

Da war doch noch was.

Der November und Dezember sind noch schneller an uns vorbeigeflogen als der Rest des Jahres. Eben steht noch der Thanksgiving-Truthahn auf dem Tisch, dann die Weihnachtsgans und schon ist Silvester. Wie-wo-was? Und zwischendurch hatten wir Besuch, sind für Weihnachten nach Deutschland geflogen – und wieder zurück.

Vorausgesetzt, das kleine Ritterlein schläft morgen weiter sein Fieber aus (man muss das neue Jahr offenbar gepflegt mit 39°C Körpertemperatur einläuten), komme ich hoffentlich ein wenig zum Schreiben und kann vom Truthahnkochen, der Vorweihnachtszeit und -kälte, 2 Transatlantikflügen (davon einer in der “Business”, oh-o!) und Silvester berichten.

Ob 2014 das letzte Jahr noch toppen kann? Die Ankunft unseres kleinen Ritters im letzten Jahr ist sicherlich schwer zu schlagen, aber es gibt definitiv tolle Pläne für dieses Jahr. Und ich wette, es wird mindestens genauso schnell vergehen, so dass wir im Dezember sagen: “Wieso ist denn jetzt schon wieder Weihnachten? War nicht gerade erst Silvester?!”

Raketenbaby.

Unser kleiner Ritter nimmt es mit den offiziellen Zeiträumen für Entwicklungsschritte nicht so genau. War krabbeln nicht so etwas, das man mit 6.5 Monaten lernt? Und stehen, fängt man damit nicht mit knapp 7 Monaten an?

Irgendwie ist es natürlich schön, wenn das eigene Kind sich gut entwickelt. Keine Frage, es hat auch was beim “Mama-Olympia” ganz weit vorne zu sein. Aber mir ist es meist eher unangenehm, wenn manche andere Mütter fragen, wie alt er denn nochmal sei. Da möchte ich gerne einen langen Vortrag hinzufügen, dass ihre nicht-krabbelnden Kinder vollkommen normal entwickelt sind. Und unser kleiner Ritter eben von der extrem ungeduldigen Sorte. Die dafür nicht anständig sitzen kann (wofür denn auch, man will ja vorwärts?!), keinerlei Interesse am Essen hat (trinken geht so viel schneller, einfacher und überhaupt…) und aktuell meilenweit vom Durchschlafen entfernt ist.

Aber wie auch Durchschlafen, wenn man tagsüber keine Zeit zum Essen, geschweige denn Trinken, hat – muss doch nachts alles nachgeholt werden. Und die ganzen Tageserlebnisse in Träumen aufgearbeitet werden. Dazu haben sich Zahn 3 und 4 auf den Weg gemacht.

Manchmal wünschte ich mir, ich könnte ihm sagen, es doch mal etwas langsamer angehen zu lassen. Einen Gang zurückschalten, ein bisschen entspannen. Und ja, vielleicht auch mal wieder ein paar mehr Stunden am Stück schlafen, das wäre auch nett…

Der trockenste Oktober in 50 Jahren.

New York hat sich uns bisher von seiner schönsten Seite gezeigt. Erst ein toller Altweibersommer mit 30°C noch im September, dann ein goldener Oktober mit teilweise über 20°C, maximal 2 oder 3 Regentagen und jetzt ein durchaus akzeptabler November mit wenig Regen und viel Sonne, allerdings teilweise schon recht kühl.

Ja, doch, da dürfen wir wahrhaftig nicht meckern über das Wetter. Fragt aber vielleicht im Winter nochmal, wenn wochenlang Schnee(-matsch) auf den Straßen liegt und der kleine Ritter den Hüttenkoller bekommt, weil ihm seine täglichen Spazierfahrten fehlen. Oder im Hochsommer, wenn es über 30°C und schwül ist und jeder, dessen Budget es erlaubt, in die Hamptons “flieht” und der Rest sich in klimatisierte Räume verschanzt.

Aber für den Moment – ein Traum! Nach einem kleinen Schneeschauer am Montag Morgen (ungeheuerlich quasi!) waren die letzten zwei Tage wieder sonnig.

Rote Ampeln.

Fußgängerampeln sind ja mehr… naja… ‘guidelines’ hier, es sei denn, es ist wirklich viel Verkehr. Aber sonst geht wirklich jeder über die rote Ampeln, auch Polizisten in Uniform.

Die Krönung dessen passierte mir vor ein paar Wochen in Williamsburg. Ich stand auf dem Rückweg vom Kinderarzt an einer roten Fußgängerampel. Neben mir eine Polizeistreife, der Polizist stellte gerade dem Wagen vor mir einen Strafzettel aus. Nachdem ich ein paar Minuten darauf gewartet hatte, dass die Ampel umspringt, sprach mich der Polizist an – ob ich denn über die Straße wolle. Als ich das bejahte und auf die rote Fußgängerampel deutete, sagte er nur: “Ach, das dauert doch viel zu lange…”, ging bei etwas weniger Verkehr auf die Mitte der Straße und winkte mir zu, dass der Weg jetzt frei sei.

So geht es natürlich auch… 🙂

Sturmfrei.

Das kleine Ritterlein hatte am Sonntag Abend sturmfrei. Mehr oder weniger jedenfalls, da liebe Freunde von uns auf ihn aufgepasst haben. Er hat das natürlich gleich mal zum Anlass genommen, eine gutgelaunte Pyjamaparty zu machen, statt brav früh ins Bett zu gehen. Tzzz…

Der große Ritter und ich hatten aber damit einen Abend für uns und nachdem alle von uns sehnsüchtig erwarteten Filme natürlich noch nicht im Kino laufen (buuuuh!), sind wir mal wieder ohne Kinderwagen essen gewesen. Und es war LECKER!

Wir sind auf dieser Seite des East Rivers geblieben, aber ein gutes Stück gen Süden gefahren, nach Park Slope. Dort waren wir erst koreanisches Essen (sehr, sehr lecker und für New Yorker Verhältnisse überraschend günstig), und danach für ein Glas Rotwein und zwei sehr mächtige Crepes in einem französisch-ungarischen Cafe. Sehr lecker und ungewohnt, mal wieder “nur” zu zweit unterwegs zu sein. Ich hab auch nur alle 2 Minuten aufs Handy geschaut… 🙂